Pick-up-Theater

Alles drauen - Kinderspiele aus Europa

Pelele (Spanien)

Pelele ist der spanische Name fr ein altes Gesellschaftsspiel, bei dem eine Strohpuppe auf einer Decke hochgeworfen wird. Die Puppe vertritt die Stelle eines unbeliebten Menschen, der damit symbolisch bestraft wird. ber Generationen hinweg haben spanische Mdchen so ihren rger ber die berheblichkeit und den Dnkel der Mnner abreagiert. Whrend sie die Strohpuppe prellten, sangen sie Spottlieder wie: El pelele est malo. Qu le daremos? Agua de caracoles que cria cuernos. (Pelele ist bs. Was soll er kriegen? Schneckenwasser lsst Hrner wachsen). Ein bekanntes Gemlde zeigt einen Pelele in voller Aktion, und der Komponist Enrique Granados beschwrt das Bild in seinem brillanten Klavierstck El pelele herauf.
Auch junge Mnner prellen den Pelele, besonders im Karneval. Das Spiel, wie man es heute kennt, ist der Rest eines mittelalterlichen Frhlingsbrauches, der wiederum auf eine noch ltere heidnische Zeremonie zurckgeht, in welcher der alte Waldgeist gettet wurde, whrend man den Frhling und mit ihm die Ankunft des neuen Knigs der Wlder feierte.
In den Abruzzen nahe Rom wird eine Strohpuppe, die den Karneval darstellt, durch die Stadt getragen, um am Ende des Festes mit dem Tuch in die Luft geworfen zu werden. Eine andere, grausamere Art des Brauches war einst in ganz Europa blich: Man prellte in der Fastnacht einen Hund in die Hhe.
In England war das Tuchwerfen ein Ausdruck von ffentlichen Unmut halb Sport, halb Zchtigung. Ein Schriftsteller des 16.Jahrhunderts nennt diesen Scherz eine schndliche bung. Im Don Quichote von Cervantes muss der leidgeprfte Sancho Pansa sich diese Behandlung von einigen Possenreiern gefallen lassen: Sie hatten ihren Spa daran, Sancho wie einen Hund in der Fastnacht in die Hhe zu werfen.
Die Eskimos in Alaska wenden den Brauch in positiveren Sinne an: ihr Nalukatok, frher mit einem Walrofell, heute mit einem starken Leintuch ausgebt, ist eine Art des sportlichen Wettbewerbs: Einer wird von seinen Freunden mglichst hoch geprellt, manchmal sechs Meter hoch. Dabei versucht er auf die Fe zu kommen und mitzuspringne. Verliert er die Balance, nimmt ein anderer seinen Platz ein.Wer stehend die meisten Sprnge absolviert, gewinnt.
Pelele macht im Freien mehr Spa als zu Hause, weil die Strohpuppe viel hher geworfen werden kann. Drei, vier oder mehr Teilnehmer breiten das Tuch auf dem Boden aus und legen die Puppe in seine Mitte. Jeder nimmt den Rand des Tuches mit beiden Hnden und auf Kommando prellen sie die Puppe hoch. Jedesmal, wenn sie in die Plane zurckfllt, wird sie wieder hochgeworfen, von Mal zu Mal hher. In Spanien singt man im Rhythmus, um das Prellen zu skandieren, althergebrachte Weisen, wie dieses folgende altkastilische Lied:

Pelele, pelele,
tu madre te quiere,
tu padre tambien,
todos te queremos,
arriba con l!

Pelele, pelele,
deine Mutter mag dich,
dein Vater auch
und wir alle.
Hinauf mit ihm!